Detail

Weitere Verlagerung von Gütern von der Straße auf die Schiene

21.02.2018 | ZPR News

Die Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal GmbH im thüringischen Blankenstein an der Grenze zu Bayern hat ein weiteres Geschäftsjahr erfolgreich abgeschlossen. Gegründet 1882, war sie während der DDR-Zeit ein volkseigener Betrieb und wurde nach der deutschen Wiedervereinigung vom nordamerikanischen Konzern Mercer International übernommen.

Hauptprodukt ist Zellstoff, die Vorstufe der Papiererzeugung. Weiterhin betreibt die ZPR Thüringens größtes Biomassekraftwerk mit 380 MW thermischer und 57 MW elektrischer Leistung. Als Nebenprodukt fällt Tallöl an, das aus der im Produktionsprozess anfallenden Seife erzeugt wird.

Im Jahr 2017 stieg der Umsatz von 216,5 Mio. € im Vorjahr auf 228 Mio. € 2017 (+ 5 %). Die Zellstoffproduktion stieg von 353.486 Tonnen 2016 auf 361.309 Tonnen 2017, und der Verkauf von Biostrom lag bei 166.093.000 Kilowattstunden (Vorjahr 169.249.000). Mit einer Tallölproduktion von 4.873 t im Jahr 2017 erzielten wir die bisher höchste Produktion seit der Inbetriebnahme der Tallölanlage im November 2014 (2016: 2.891 t).

Das Werk lief im Gesamtjahr 2017 voll ausgelastet im kontinuierlichen Schichtbetrieb, eine Ausnahme machte nur die Generalinspektion für 10 Tage im September, für die die Fabrik abgestellt wurde.

Das wesentlichste Ereignis für ZPR war die Inbetriebnahme eines neu errichteten Terminals für die Annahme von Rundholz mit Bahnwaggons. Das Vorhaben war schon im Vorjahr begonnen worden und wurde am 7. April 2017 von Ministerpräsident Bodo Ramelow seiner Bestimmung übergeben. Das Terminal kostete 9 Mio. € und wurde mit rund 2,5 Mio. € im Rahmen des Gleisanschlussförderungsprogramms des Bundes bezuschusst. Seither wird werktäglich ein Eisenbahnzug mit Rundholz angenommen und somit 50 - 60 LKW-Fahrten pro Tag ersetzt. Bereits in den letzten Jahren hatte ZPR den Bahnanteil des Güterverkehrs jährlich gesteigert. Lag die Transportmenge auf der Schiene im Jahr 2000 noch bei rund 50.000 Tonnen, wurden 2016 schon fast 400.000 Tonnen erreicht. Mit Hilfe des Rundholzterminals kann diese Menge auf über eine halbe Million Tonnen jährlich gesteigert werden.

Weiteres Potenzial zur Verlagerung von Gütertransporten von der Straße auf die Schiene existiert. Seit Jahren setzt ZPR sich für die Wiederinbetriebnahme der Eisenbahnstrecke Marxgrün (Bayern) bis Blankenstein (Thüringen) ein. Da die Kunden und Lieferanten von ZPR schwerpunktmäßig im Süden sitzen, würde eine Eisenbahnanbindung, wie sie von 1901 bis 1945 schon einmal existierte, ZPR ermöglichen, weitere Transporte auf die Schiene zu verlagern. Diese Verbindung wurde 1945, bei der Teilung Deutschlands, unterbrochen. Es fehlen nur 6 km, und trotz der deutschen Wiedervereinigung wurde die unterbrochene Strecke bisher noch nicht wiederhergestellt. Es wird ein weiteres Potenzial von 200.000 Tonnen jährlich eingeschätzt, dies wären etwa 17.000 eingesparte LKW-Fahrten jährlich oder 60 - 70 Fahrten täglich. Hauptnutznießer wären Stadt und Landkreis Hof, durch deren Territorium der LKW-Verkehr gegenwärtig läuft.

Wichtig für Rosenthal war auch der Erwerb des Sägewerks im nahegelegenen Friesau durch die Muttergesellschaft Mercer International im 1. Halbjahr 2017. Diese Akquisition erlaubt die Schaffung von Synergien im Konzernverbund und sichert Arbeitsplätze in der Region.

Der Tag der offenen Tür am 24. Juni 2017 war ein weiteres wichtiges Ereignis. Auch hier hielt Ministerpräsident Bodo Ramelow ein Grußwort, in dem er auf die Bedeutung der Bahn-Südanbindung ebenso einging wie auf die Rolle von ZPR als größter Erzeuger von Biostrom in Thüringen. Die 2.000 Besucher hatten Gelegenheit, die Fabrik zu besichtigen, mit Mitarbeitern des Unternehmens ins Gespräch zu kommen und sich über Beschäftigungs- und Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren.

Im Jahr 2017 war mit 33 Personen die höchste Zahl an Mitarbeitern seit der deutschen Wiedervereinigung eingestellt worden. Durch den Renteneintritt von Mitarbeitern der „geburtenstarken Jahrgänge“ in Verbindung mit der Nutzung der „Rente ab 63“ gab es einen hohen Bedarf von Neu- und Nachbesetzungen. Ebenfalls wurden 4 Auszubildende eingestellt, 1 Auszubildender schloss seine Ausbildung erfolgreich ab und wurde unbefristet übernommen. Der Gesamt-Personalstand lag zu Jahresende bei 365 Mitarbeitern und 14 Auszubildenden in 3 Berufen. Vom Gesamt-Personalstand sind 79 % Facharbeiter, 20,5 % sind höher qualifiziert (Akademiker, Techniker, Meister) und nur 0,5 % sind un- und angelernt.

Zum 1. Juli 2017 wurde zwischen ZPR und der Gewerkschaft IG Bergbau-Chemie-Energie ein neuer Tarifvertrag abgeschlossen. Dieser enthält außer den Entgeltregelungen des Flächentarifvertrags (+ 2,4 % ab 01.07.2017, + 1,2 % ab 01.08.2018) die ZPR-spezifischen Elemente 35 Stunden-Woche und Beschäftigungssicherung. Zusätzlich wurden Anerkennungs-Boni wegen der besseren wirtschaftlichen Lage der Zellstoffindustrie im Vergleich zu den Papierwerken vereinbart.

Auch im neuen Jahr sollen viele Stellen neu besetzt werden. Darüber hinaus bietet ZPR in den Berufen Papiertechnologe/-in, Industriekaufmann/-frau und Chemielaborant/-in Ausbildungsplätze an, die zu Beginn des Ausbildungsjahrs 2018/19 im Spätsommer 2018 besetzt werden sollen.

Rosenthal, 16. Februar 2018

Leonhard Nossol
Geschäftsführer